Steuersenkungen sind schlechte Sozialpolitik
contributing editor bei Jacobin
Steuersenkungen sind schlechte Sozialpolitik
So, hier noch einmal besser ausformuliert:
Jugendliche können immer häufiger weder sinnerfassend lesen noch mathematische Probleme lösen. Das ist die zentrale Botschaft der aktuellen PISA-Studie. Dabei werden die Fähigkeiten, komplexe Sachverhalte zu verstehen und kritisch zu hinterfragen, aktuell immer wichtiger, um in einer Welt zu bestehen, in der mit massenhaft Kapital geflutete Tech-Unternehmen eigenmächtig mit der Menschheit experimentieren. Neben den Nachteilen, die fehlende Grundkompetenzen gesellschaftlich und wirtschaftlich ohnehin mit sich bringen, stehen Jugendliche jetzt auch noch vor dem Problem, Information nicht mehr von KI-Halluzinationen unterscheiden zu können.
Dass Deutschland bei PISA besonders schlecht abgeschnitten hat, lässt sich vor allem damit erklären, dass Bildungsaussichten in diesem Land massiv von der sozialen Herkunft abhängen. Aber dass lebensnotwendige Skills in allen OECD-Ländern sinken, liegt auch an der Mediennutzung von Schülerinnen und Schülern. Besonders seit der Pandemie hängen Jugendliche übermäßig an ihren Handys – das macht sie depressiv, einsam und beeinträchtigt ihre Fähigkeit, sich auf längere Texte zu konzentrieren. Und spätestens seit ChatGPT wird das Denken immer öfter direkt an eine KI ausgelagert. Ausbaden darf das ein Bildungssystem, das ohnehin bereits unterfinanziert ist und Kinder und Jugendliche zusätzlich weiter nach ihrer sozioökonomischen Herkunft segregiert. Es gab wirklich schon bessere Zeiten, ein Teenager zu sein.
Vielleicht bin ich inzwischen zu abgebrüht, aber die emotionale Reaktion auf die Wahl in LSA scheint mir weniger tatsächlich mit der Wahl zusammenzuhängen, als damit, dass sich Linke gegenseitig diskursiv Hochschaukeln.
Dass einen sowas mitnimmt und beschäftigt ist ja nachvollziehbar, aber ich hab das Gefühl, hier passiert was ganz anderes.
Dieses Gespräch von Danny Bessner mit Corey Robin fand ich sehr interessant. Ich war natürlich eh schon skeptisch gegenüber Sven Beckerts New History of capitalism, aber Coreys Kritik bringt nochmal einen anderen Blickwinkel mit: americanprestigepod.com/epis...
@lorenbalhorn hat Beckert vor einer Weile auch bei Jacobin interviewed: jacobin.de/kapitalismus-welt...
Dieses Gespräch von Danny Bessner mit Corey Robin fand ich sehr interessant. Ich war natürlich eh schon skeptisch gegenüber Sven Beckerts New History of capitalism, aber Coreys Kritik bringt nochmal einen anderen Blickwinkel mit: americanprestigepod.com/epis...
@Xenophanes glaube in dem konkreten dilemma in der kolumne ging es ja darum, dass die person schon auch unterschiedliche werte in der frage mitverhandelt hat.
@magdalena @Xenophanes @adyzymberi Die Sache ist ja auch, dass es wirklich nicht erfunden ist, dass Kleinunternehmer oft absolut menschenfeindliche Grundhaltungen an den Tag legen.
Wenn du Geschäftsführer bei Aldi bist, tust du vielleicht aus reinem Geschäftsinteresse alles, um deine beschäftigten kleinzuhalten. Vielleicht ohne jede persönliche Feindseligkeit und vielleicht wählst du sogar die SPD. Aber wenn dir der Tante-Emma Laden gehört, der gerade von Aldi in der Konkurrenz plattgemacht wird, dann ist jede kleine Verbesserung für deine Beschäftigten und jedes noch so kleine Untergraben deiner Autorität ein Angriff auf deinen ganzen way of life, den du mit jeder Faser deines Wesens bekämfst. Und das spiegelt sich einfach in deiner Weltanschauung wieder.
Natürlich ist das kein universelles Ding, aber es ist wirklich auch keine dogmatische Borniertheit, das anzusprechen.
»Dann muss die Linke wohl allein in Berlin regieren.« Dieser Satz entstammt leider keinem selbstbewussten Statement der Linkspartei selbst, sondern einem ironischen Post des Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach.
Damit erteilte er der Enteignung von Deutsche Wohnen und Co., die die Linke im Regierungsfall endlich umzusetzen verspricht, eine Absage. Einmal mehr wird deutlich, dass die erklärten Ziele der Linkspartei unter dem politischen Horizont einer rot-rot-grünen Koalition wohl kaum zu erreichen sind.
»Wie soll ich denn mit diesen Politikern die Probleme dieses Landes in den Griff bekommen? Wir schaffen es nur alleine, deswegen 45 Prozent plus X, deswegen absolute Mehrheit.« So klingt das bei Ulrich Siegmund, dem AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt. Die Linke täte gut daran, auch solche Ambitionen zu entwickeln.
Nächste Woche kommt unsere neue Ausgabe – zum Thema Antifaschismus. Wie versprochen könnt ihr hier als Erste das Cover begutachten. Was haltet ihr davon?
Finde dieses lange Gespräch zwischen Evelina Wilén und Meagan Day echt lehrreich, bietet viele Einblicke in aktuelle feministische Debatten. Vor allem gefällt mir, dass sie sich auf die Theorie der sozialen Reproduktion beruft – ein marxistischer Ansatz, der aus meiner Sicht in den letzten Jahren zu kurz gekommen ist in Debatten zu Geschlechterverhältnissen.
@lorenbalhorn Ich hab im Urlaub in Schweden neulich die Theoriezeitung entdeckt, wo sie Redakteurin ist. Die kannte ich vorher noch nicht. Röda Rummet (das Rote Zimmer) heißt die, und der Name kommt von einem der berühmtesten schwedischen Romane.
So grundsätzlich find ich aber, dieser Text hier liefert eine sehr effektive Kritik an der SRT. Zumindest an vielen Versionen, die so im Umlauf sind. newleftreview.org/issues/i14...
@joshua Richtig! Wenn Die Linke auf 20%+ kommt im September, wird ihre Wählerschaft erwarten, dass sie regiert. Punkt. Die Frage ist doch viel eher, mit welchen Zielen man in diese Regierung geht und ob man Personal hat, das erfahren und vor allem gestählert genug ist, um den Druck von der Mitte auszuhalten. Die "erfahrenen" in der Linken sind leider oft nicht in der Lage, den Druck auszuhalten, während diejenigen, die das Richtige wollen, lieber ihre Zeit verschwenden mit solchem Quatsch das niemanden ausserhalb einer kleinen Blase anspricht 🙄: klassegegenklasse.org/rebell...
@lorenbalhorn @joshua Klasse gegen Klasse, wie sie nach ihrem 8ten revolutionären Bruch mit der Linken immernoch Wahlkampf für die Partei machen.
So ganz frei von Opportunismus scheint man da auch nicht zu sein
für spanische linke muss sich das ungefähr so anfühlen wie für mich, wenn leute aus dem ausland das rote wien loben. oder für linke in paris, wenn ihre klimafreundliche stadt gelobt wird
@magdalena David argumentiert im neuen Catalyst gerade, dass dieser Ruf, den Sanchez hat, eigentlich ein bisschen unverdient ist. catalyst-journal.com/2026/07...
Meint ihr "Abul Baraa versteht das Umlagefinanzierte Rentensystem nicht" wäre ein geeigneter Jacobin text?
Diese ganzen Tik Tok Salafisten sind für mich leider auch wie ein Autounfall, bei dem man nicht wegschauen kann. Und sein take ist halt, dass man als Muslim nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen darf, weil "das was mit Zinsen zu tun hat".
Ich seh in den letzten Tagen haufenweise biphobia- und Leihmutterschaftsdiskurs. Wahrscheinlich auch, weil ich eine morbide Faszination damit hab die reels immer zuende schaue.
Und ich frag mich ja, ob es identitäre Linke zum Umdenken bewegt, dass da ihr eigener moralistisch-vorwurfsvoller Tonfall für objektiv furchtbare Positionen in Stellung gebracht wird.
Erster Cover-Sneak-Peek:
Ich hab seit Ewigkeiten nichts mehr von dem mitbekommen, aber Steven Crowder war doch mal relativ Mainstream in der Trump-Welt, oder?
Ob sich am Inhalt groß was geändert hat, weiß ich nicht. Aber ein Video mit dem Titel "The Case for Fascism" wäre vor ein paar Jahren von so jemandem nicht denkbar gewesen.
https://youtu.be/4RtXoyTxZRQ?is=1kY8OXUHRtyibxrR
Ich kann auf einer emotionalen Ebene die Reaktion vor dem russischen Angriff durchaus nachvollziehen, es ist dennoch schauderhaft, wie schnell die antimilitaristische Tradition aufgegeben wird von breiten Teilen des linksliberalen Spektrums.
@lorenbalhorn @SpittyO ich hatte mal ne längere Diskussion mit nem Grünen Ratsherren, weil ich auch gefragt hab, ob er schon immer der Meinung war wie jetzt. Und da meinte er, "Klar, damals im kalten Krieg war ich auch Pazifist. Aber da hätten wir auch niemals gedacht, dass es mal Krieg in Europa geben könnte."
Und ich glaub so einen kafkaesquen Satz werd ich nie wieder hören.
Mit Blick aufs Thermometer – auf welche Zukunft bereitet ihr eure Kinder vor?
@thomaszimmermann Ich bin Klimanlagen Ultra. Bei uns bei der Arbeit sind heute schon 4 Rentner zusammengeklappt
@jonasthiel_32 jetzt aber!
@lorenbalhorn ah, nice
Man muss sich auch im Kopf behalten, dass man eine Verhinderungsregierung nicht an Bedingungen knüpfen kann.
Man kann nicht sagen, wir koalieren mit der CDU um eine AfD-Regierung zu verhindern, aber nur, wenn wir das und das dafür bekommen. Damit setzt man sich sofort der Kritik aus, man würde nicht alles tun, um die AfD zu verhindern.
Man muss entweder jede Haltelinie abreißen oder von Anfang an sagen, dass die Taktik, die AfD durchs regieren zu bekämpfen, nicht funktionieren wird und es deshalb sein lassen. Bei der Frage gibt es kein fence sitting.
Ok, das mit dem zitieren funktioniert noch nicht so ideal glaub ich