in den letzten tagen habe ich – mit blick auf die schülerproteste in frankreich – wieder gemerkt, wie intensiv filterblasen funktionieren. ich sehe seit wochen absolute hope core aus frankreich. allen voran der bürgermeister von saint denis Bally Bagayoko, der sich schützend vor die schüler:innen stellt, bis er selbst tränengas abbekommt. seit wochenende haben die videos plötzlich die bürgerliche mitte erreicht und es geht da natürlich nicht um polizeigewalt und berechtigte interessen der schüler:innen, sondern um irgendwelche rassistischen fantasien und die störung herrschaftliche ordnung.
gleichzeitig frage ich mich, ob es dem LFI gelingt, sich so an die spitze der proteste zu stellen, dass die energie auch wirklich eingefangen und politisch kanalisiert wird. also die wut der protestierenden ist absolut nachvollziehbar, aber dass sie dafür auch teile ihrer eigenen viertel zerstören, wo migrantische kleinunternehmer ihre läden haben, lässt mich immer fragen, wie es gelingen kann, diese energie produktiv einzufangen. habt ihr dazu meinungen?
Ich habe mir bewusst nicht viele Bilder und Videos zu den Riots in verschiedenen französischen Städten angesehen. Die unfassbare Wut auf die Verhältnisse die alles brennen lässt bis hin zu gezielten Plünderungen ergeben immer wieder das selbe Bild. Ein prekärer Ausnahmezustand der nichts an den politischen Verhältnissen ändert. Das war auch schon bei den Gelbwesten so. Ich kenne die Situation in den betroffenen Städten zu wenig um wirklich viel dazu zu sagen. Nur glaube ich nicht, das dies sich allein über eine Partei einfangen lässt. Im Endeffekt bräuchte es mehr Selbstorganisation, zu der eine Partei wie LFI beitragen kann ohne der eine auf gute Wahlergebnisse ausgelegte Form überzustülpen. Da sind aber auch jene organisierten Strukturen gefragt die alle Jahre wieder Riots anheizen. Wut, ohne das sie produktiv kanalisiert wird kann nichts positiv verändern. Der konstruktive Kern aus den Schülerinnenprotesten und Gewerkschaften sollten sich zusammensetzen um anschließend an den gemachten Erfahrungen vom Mai 68 und dem damaligen Scheitern Lösungen zu finden, die im hier und jetzt tragfähig sind. Und LFI und die anderen linken Parteien sind am Ende dieses Prozesses diejenigen die eine Form finden müssen gemeinsam mit der Straße und den selbstorganisierten lokalen Basisgruppen eine neue Republik zu entwickeln und durchzusetzen.